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Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern und die Abnehmer im tertiären Ausbildungsbereich aller
Zeiten in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Praxis stets uneinig.
Um sich dieser Problematik anzunähern und zu professionell verantwortlichen unterrichtsme-
thodischen Prinzipien zu kommen, ist daher zunächst das Bildungsverständnis und der Bil-
dungsauftrag für Schule und Unterricht zu klären.
Ich halte es für unerlässlich, sowohl gegenüber dem Mainstream eines materialen oder forma-
len Qualifizierungsdenkens des gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Zeitgeistes
einerseits, wie gegenüber einer zynisch-nihilistischen Humanismuskritik eines Peter Sloterdijk
(1999) andererseits, konsequent an einem (durchaus traditionell und wertkonservativ zu deu-
tenden) individualpädagogischen Bildungsverständnis festzuhalten. Im Zentrum alles pädagogi-
schen Handelns steht dabei das Individuum mit seinem unverzichtbaren Bedürfnis und unver-
lierbaren Anspruch nach Persönlichkeitsbildung im Spannungsfeld von Reifung und Entwick-
lung einerseits sowie funktionaler und intentionaler Sozialisation andererseits.
In-Dividuum bedeutet, vom lateinischen Begriffsursprung her, das Un-Teilbare. Der Begriff
eignet sich daher in besonderer Weise, um auf die Unmöglichkeit der Teilbarkeit der Leib-
Seele-Geist-Einheit eines jeden Menschen hinzuweisen. Die Pestalozzi zugeschriebene Meta-
pher von der Bildung von Kopf, Herz und Hand drückt dieses individualpädagogische Ver-
ständnis ebenfalls deutlich aus. Um zu verhindern, dass die unvoreingenommene Sicht auf einen
Menschen von vornherein unangemessen - gewissermaßen formallogisch durch leitende Be-
griffe - verstellt wird, vermeide ich in Erziehung und Unterricht alle Formen etikettierender
Begriffe. Ich beziehe mich dabei auf einen alten Topos, von dem ich glaube, dass er mein päd-
agogisches Anliegen präzise trifft: Individualpädagogik ist ein Begriff, den der Kantianer Jo-
hann Christoph Greiling 1793 prägte, um deutlich zu machen, dass für alles praktische päd-
agogische Handeln in Erziehung und Unterricht eine Allgemeine Pädagogik wie eine Spezi-
elle Pädagogik als Grundlage verantwortlichen Erziehungs- und Unterrichtshandelns nicht
ausreichen. Im Umgang mit dem einzelnen und unverwechselbaren Individuum ist darüber
hinaus unbedingt eine von Urteilskraft geleitete praktische Kompetenz der handelnden Päd-
agogen notwendig: die individualpädagogische Orientierung.
In Greilings Sprache von 1793: Denn eben aus der Beobachtung eines gewissen Individu-
ums und der Anwendung der allgemeinen und speciellen Bildungsregeln auf das so oder so
geeigenschaftete Subjekt, entstehet erst die Individual Pädagogik. Diese muß sich demnach
ieder Erziehungskünstler selbst entwerfen, wozu scharfe Beobachtung, und richtige Anwen-
dung der allgemeinen und speciellen Gesetze und Regeln oder praktische Urtheilskraft gehö-
ret (Greiling 1793, S. 120).
Aus diesem Verständnis von Individualpädagogik leite ich als die wesentliche Konsequenz
für Erziehung und Unterricht ab:
Im Fokus des pädagogischen Sehens, Denkens und Handelns steht
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