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Unterricht als individualpädagogische Praxis

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19 8 Sinnintegriertes Lernen Im gemeinsamen Unterricht wird sinnintegriert gelernt: Die  unverzichtbaren  Kulturtechniken  (wie  Lesen,  Schreiben  und  Rechnen)  werden  nachhaltiger gelernt, wenn sie in konkrete sinnvolle Anlässe eingebunden werden. Schülerinnen und Schüler lernen am besten Schreiben, wenn unmittelbare Schreibanlässe vorhan- den sind, die sie zum Schreiben herausfordern. Ebenso ist es mit mathematischen Problemen. Den kompetenten Umgang mit Maßen lernt man beispielsweise am besten, wenn ein konkreter Anlass zum Messen vorhanden ist. Ein Lernen ‚auf Vorrat‘, wie es im meist fächergegliederten traditionellen Unterricht oft vorkommt, wirkt  nicht  nachhaltig  genug.  Das  ‚auf  Vorrat‘  Gelernte  wird  schnell  wieder  vergessen  und  die Kinder und Jugendlichen sind oft nicht in der Lage, die Transferleistung der Anwendung und des Übertragens auf andere Fälle des alltäglichen Lebens zu leisten. Es bleibt damit ein  bildungsun- wirksames Lernen. Besonders behinderte, benachteiligte und im Lernen beeinträchtigte Kinder und Jugendliche brau- chen einen konkreten Sinnbezug, um zu verstehen. Ein induktives Lernen, das bei einem konkreten Beispiel ansetzt und von diesem aus auf das darin enthaltende Prinzip und den Begriff zurückgreift, ist daher dem  deduktiven Ableiten und Anwen- den allgemeiner Gesetzmäßigkeiten und Regeln vorzuziehen. 9 Dialog, Interaktion und Prozessorientierung Im gemeinsamen Unterricht wird dem Dialog, der Kommunikation und der Interaktion breiten Raum gegeben (der Lernprozess hat Vorrang vor den Lernprodukten): Unterricht  muss  grundsätzlich  als  kommunikativer  Prozess  zwischen  individuell  spezifisch  ge- prägten und  vorgebildeten  Kindern  und  Jugendlichen  mit  unterschiedlichen  Vorerfahrungen  und Vorverständnissen (Girg 1994) arrangiert werden. Der Gestaltung  des  Kommunikationsprozesses  ‚Unterricht‘  kommt  dabei  eine  große  Bedeutung zu. Im Dialog wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben, ihre spezifischen Sicht-, Erfahrungs- und Denkweisen miteinander auszutauschen und sich somit gegenseitig zu ergänzen. In  vielen  Fällen  ist  der  Unterrichtsprozess  (besonders  im  Hinblick  auf  soziale  Kompetenzen) bildungswirksamer als die (vermeintlich überprüf- und bewertbaren) Lernprodukte.
  
Das Fachwörterbuch für Erzieherinnen und pädagogische Fachkräfte
Siehe auch:
Fachbegriffe für Erzieherinnen und Erz...
Sozialpädagogische Lernfelder für Erzieherinnen
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