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Rudi Krawitz
Unterricht als individualpädagogische Praxis
Pädagogische, didaktische und methodische Voraussetzungen für nachhaltiges Le r-
nen in einem gemeinsamen Unterricht
(in: Seibert, N. (Hrsg.), Unterrichtsmethoden kontrovers, S. 89-114, Bad Heilbrunn 2000.
1. Individualpädagogisches Sehen, Denken und Handeln
als Voraussetzung für nachhaltiges Lernen im gemeinsamen Unterricht
Die zentrale Aufgabe der Schule als gesellschaftliche Sozialisationsinstanz ist der Unterricht,
der, wie uns schon Herbart lehrte, immer zugleich die Erziehung des einzelnen Individuums
angesichts der Verschiedenheit der Köpfe ermöglichen soll. Aus der Sicht der Bedürfnislage
der Schülerinnen und Schüler hat die Schule die Aufgabe, möglichst wirksame Anlässe zu
einem nachhaltig wirksamen Lernen zu schaffen, um ihnen dadurch umfassende Perspektiven
· des selbstständigen Erfassens,
· des hermeneutischen Verstehens und
· des verantwortlichen handelnden Eingreifens
zu eröffnen.
So ist die Schule, wie die nordrhein-westfälische Bildungskommission in ihrer Denkschrift
Zukunft der Bildung - Schule der Zukunft (1995) programmatisch forderte, als ein Haus
des Lernens zu begreifen und entsprechend zu gestalten. Das Lernen in der (allgemeinbilden-
den) Schule dient - wenn es nachhaltige Wirkungen hat - der individuellen Bildung jedes
einzelnen Kindes oder Jugendlichen. Demnach hat die Schule als Haus des Lernens, wie
Theodor Ballauff schon 1964 formulierte, ein Bollwerk für Bildung zu sein. Und es ist ge-
genwärtig, in einer Zeit des durch die Globalisierungsdiskussion ausgelösten Neoliberalismus
mit seinem ungeschminkten
Raubtierkapitalismus
(
Helmut Schmidt 1998) unumgänglich
notwendig, sie wieder mehr denn je als Institution zur Verteidigung der Bildung (Ballauff
1964) zu begreifen und gegenüber der stets drohenden Femdbestimmung entsprechend
selbstbewusst und pädagogisch selbstbestimmt zu gestalten. Die Bildungspolitik sollte dazu die
entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, indem sie antizyklisch reagiert und nicht einfach
den Trends von Entwicklungen hinterher rennt. Bildung muss in dieser Hinsicht immer auch als
Widerstand begriffen werden, wie Gernot Böhme (1999) in einem Essay über die Zukunft
des Wissens formulierte.
Wie immer der Auftrag der Schule verstanden werden mag und welche unterschiedlichen er-
kenntnisleitenden Interessen dabei immer im Spiel sein mögen, eines gilt als selbstverständlich:
nämlich, dass in der Schule gelernt werden soll. Wie dieses Lernen aber pädagogisch, didak-
tisch und methodisch zu organisieren, zu gestalten und zu unterstützen ist, und was die heran-
wachsende Generation zu lernen hat, darüber waren sich Pädagoginnen und Pädagogen,
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